Die Kurzfassung: Ein Kastenwagen hat je nach Länge zehn bis zwölf Quadratmeter Seitenfläche und steht damit im Wind wie eine Plakatwand. Bei Sturm fährst du deutlich langsamer, hältst das Lenkrad mit beiden Händen und rechnest an Brücken, Waldschneisen und beim Überholen von Lastwagen mit Böen. Die Sturmnacht verbringst du nicht unter Bäumen, die Front zeigt in den Wind, Markise und Aufstelldach sind eingefahren. Schäden durch Sturm ab Windstärke 8 übernimmt in der Regel die Teilkasko.
Oktober und November sind die Monate der Herbststürme. Wer jetzt noch unterwegs ist, erlebt das schnell. Der Wetterbericht kündigt Böen an, und auf der Autobahn zieht der Kastenwagen plötzlich nach rechts. Das ist kein Grund, die Saison abzubrechen. Es ist aber ein guter Anlass, sich anzusehen, warum gerade der Kastenwagen so deutlich auf Wind reagiert und was dagegen hilft.
Warum der Kastenwagen so empfindlich auf Wind reagiert
Ein typischer Kastenwagen ist gut fünf bis sechs Meter lang und über zweieinhalb Meter hoch. Von der Seite gesehen ist das eine glatte Fläche ohne Fenster, die der Wind ungebremst trifft. Ein Pkw bietet nur einen Bruchteil davon und liegt dazu viel tiefer.
Dazu kommt das Verhältnis von Fläche zu Gewicht. Ein Lastwagen hat ähnlich viel Fläche, wiegt aber ein Vielfaches. Der Kastenwagen bleibt mit seinen 3,5 Tonnen vergleichsweise leicht, und deshalb versetzt ihn eine Böe spürbar. Am stärksten merkst du das, wenn du leer oder mit wenig Gepäck fährst.
Was auf und am Fahrzeug hängt, verstärkt den Effekt. Eine Dachbox oder Räder auf dem Dach vergrößern die Angriffsfläche und heben den Schwerpunkt. Fahrräder auf dem Heckträger sitzen ganz hinten, dort gibt eine Böe dem Heck den größten Hebel. Wer bei Sturmwarnung losfährt, packt deshalb das Schwere nach unten und lässt die Dachbox im Zweifel zu Hause. Wie du sonst sinnvoll belädst, steht im Artikel Kastenwagen richtig beladen.
Wo es unterwegs kritisch wird
Die gefährlichen Momente sind die Übergänge. Solange der Wind gleichmäßig von der Seite drückt, lenkst du leicht dagegen und fährst ruhig weiter. Kritisch wird es, wenn sich der Windschutz plötzlich ändert.
Das passiert vor allem an diesen Stellen.
- Brücken und Talbrücken, dort fehlt jeder Schutz, und an den Enden setzt der Wind schlagartig ein
- Dämme und offene Strecken an der Küste oder in flachem Land
- Waldschneisen und Lichtungen, wo nach dem Wald eine freie Fläche kommt
- Tunnelausfahrten und Lücken zwischen Häusern
- Überholen von Lastwagen, erst fällt der Wind im Windschatten weg, dann trifft dich die Böe am Ende des Anhängers mit voller Kraft
Achte auf das Verkehrszeichen für Seitenwind und auf die rot-weißen Windsäcke an Brücken. Steht der Windsack waagerecht, weißt du, was dich gleich erwartet. An einigen großen Brücken in Norddeutschland und Dänemark gibt es außerdem Windwarnanlagen, die bei Sturm Fahrzeuge mit großer Seitenfläche sperren. Wer im Herbst an die Küste fährt, schaut vor der Abfahrt in die Verkehrsmeldungen.
So fährst du bei Sturm
Die wirksamste Maßnahme ist das Tempo. Je langsamer du fährst, desto mehr Zeit bleibt dir, auf eine Böe zu reagieren, und desto weniger versetzt sie dich. Auf der Autobahn darfst du ruhig im Lkw-Tempo mitfahren, auch wenn das ungewohnt ist.
Halte das Lenkrad mit beiden Händen und lenke ruhig. Der häufigste Fehler ist das Überkorrigieren. Eine Böe drückt dich nach rechts, du reißt nach links, die Böe lässt nach, und der Kastenwagen schießt in die andere Richtung. Kleine, gleichmäßige Bewegungen reichen. Beim Überholen von Lastwagen hältst du seitlich mehr Abstand als sonst und rechnest am Ende des Anhängers mit dem Stoß.
Bei einer Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes, also der roten Stufe, bleibt der Kastenwagen stehen. Ein Tag Verspätung kostet weniger als ein Ast auf der Windschutzscheibe. Die Warnungen für deine Region zeigt die kostenlose App WarnWetter des Wetterdienstes, auch für die Strecke vor dir.
Nach dem Sturm ist die Gefahr nicht vorbei. Auf Landstraßen liegen Äste, und nasses Laub macht die Fahrbahn in Kurven und beim Bremsen rutschig. Das gilt besonders im Wald und in Alleen. Fahr dort so, als wäre die Straße feucht und unübersichtlich, denn genau das ist sie.
Der richtige Platz für die Sturmnacht
Die wichtigste Regel ist einfach. Stell dich nicht unter Bäume. Gerade die frühen Herbststürme sind dafür gefährlich, weil die Bäume noch viel Laub tragen und der Wind dadurch mehr Fläche zum Angreifen hat. Abgebrochene Äste sind die häufigste Ursache für schwere Sturmschäden an abgestellten Fahrzeugen. Das gilt auch für Stellplätze am Waldrand und für einzelne große Bäume mitten auf dem Platz.
Ideal ist ein Platz mit Windschutz durch ein Gebäude, eine Mauer oder einen Erdwall, aber ohne etwas, das herunterfallen kann. Wo es keinen Schutz gibt, stell die Front des Kastenwagens in den Wind. Die schmale Seite bietet weniger Fläche, das Fahrzeug schaukelt nachts deutlich weniger, und die Türen werden dir beim Öffnen nicht aus der Hand gerissen. Die Schiebetür sollte möglichst auf der windabgewandten Seite liegen. Eine Schiebetür, die eine Böe gegen den Anschlag schlägt, ist schnell verzogen.
Exponierte Plätze auf dem Deich, auf Passhöhen oder an der Steilküste sind im Sommer die schönsten. In einer Sturmnacht tauschst du sie besser gegen einen ruhigen Platz im Ort. Wie du auch dort ohne Ärger stehst, steht im Artikel Freistehen ohne Ärger.
Was vor der Sturmnacht eingepackt wird
Die Markise ist das empfindlichste Teil am ganzen Fahrzeug. Bei Sturmwarnung fährst du sie ganz ein, ein Sturmband reicht dann nicht mehr. Das gilt auch nachts und wenn du nur kurz weggehst. Die meisten Markisenschäden entstehen, weil der Wind schneller kam als erwartet. Mehr zur Frage, ob Markise oder Sonnensegel besser zu dir passt, steht in Markise oder Sonnensegel am Kastenwagen.



