Die Kurzfassung: Gas heizt leise, wartungsarm und auch hoch oben in den Bergen zuverlässig, dafür schleppst du Flaschen mit und darfst während der Fahrt nur mit Crashsensor heizen. Diesel zieht den Sprit aus dem Fahrzeugtank, darf während der Fahrt laufen und hält bei Kälte lange durch, verrußt aber, wenn er dauernd auf kleiner Flamme läuft, und braucht etwas mehr Bordstrom. Die Entscheidung hängt weniger an der Technik als an deiner Art zu reisen. Und die billige No-Name-Dieselheizung ist selten ein Schnäppchen.
Solange es draußen mild ist, denkt niemand über die Heizung nach. Das ändert sich mit dem ersten kalten Morgen, an dem die Scheiben von innen beschlagen und die Füße nicht warm werden wollen. Wer sich gerade einen Serien-Kastenwagen aussucht oder über eine Nachrüstung nachdenkt, steht dann vor derselben Frage wie alle anderen. Gas oder Diesel.
Beide Systeme machen am Ende dasselbe, sie blasen warme Luft in den Innenraum, viele Kombigeräte wärmen nebenbei auch das Wasser. Der Unterschied steckt im Alltag drumherum. Und genau da trennt sich, was zu dir passt und was dich auf Dauer ärgert.
Wie beide Heizungen arbeiten
Die Gasheizung verbrennt Flüssiggas aus einer Flasche im Staukasten. Das ist die klassische Lösung, seit Jahrzehnten in Wohnmobilen verbaut, meist als Kombigerät, das Luft und Warmwasser in einem erledigt.
Die Dieselheizung zapft den Kraftstoff direkt aus dem Fahrzeugtank. Eine kleine Pumpe fördert den Diesel portionsweise in die Brennkammer, ein Gebläse verteilt die Wärme. Es gibt sie als reine Luftheizung und ebenfalls als Kombigerät mit Warmwasser.
Beide sind Verbrenner, beide haben ihre Abgase nach außen. Und beide gehören deshalb von einem Fachbetrieb eingebaut, nicht in Eigenregie ins Blech geschnitten.
Die Gasheizung, leise und genügsam
Das größte Pfund der Gasheizung ist ihre Ruhe. Sie läuft praktisch geräuschlos, kein Ticken einer Pumpe, kein Brummen in der Aufwärmphase. Wer empfindlich schläft, merkt diesen Unterschied in der ersten Nacht.
Dazu kommt, dass Gas wenig Bordstrom braucht und auch in großer Höhe sauber verbrennt. Für Touren in die Alpen oder die Pyrenäen ist das ein echtes Argument, dort steigt die Dieselheizung je nach Modell ab etwa 1.500 Metern gern mal aus, wenn kein Höhenkit verbaut ist. In der Anschaffung ist die Gasheizung meist etwas günstiger, und gewartet werden muss am Gerät selbst über Jahre so gut wie nichts.
Der Preis dafür steht im Staukasten. Du schleppst Flaschen mit, eine volle 11-Kilo-Flasche bringt über zwanzig Kilo auf die Waage, und die fehlen dir bei der Zuladung. Beim 3,5-Tonner ist jedes Kilo ein Thema, mehr dazu steht im Ratgeber zum Gewicht sparen. Auf längeren Wintertouren musst du außerdem wissen, wo du Gas nachbekommst, und die Adapter sind von Land zu Land verschieden.
Ein zweiter Punkt betrifft die Fahrt. Eine Gasheizung darf während der Fahrt nur laufen, wenn eine Schlauchbruchsicherung und ein Crashsensor verbaut sind, die bei einem Unfall sofort abriegeln. Ohne diese Technik bleibt die Heizung unterwegs aus, und du kommst kalt am Ziel an. Dazu gehört auch die wiederkehrende Gasprüfung, die inzwischen wieder Pflicht ist. Was dich dabei erwartet, habe ich im Beitrag zur Gasprüfung aufgeschrieben.
Die Dieselheizung, immer genug Vorrat
Die Dieselheizung dreht den größten Nachteil der Gasheizung um. Sie braucht keine Flaschen, keinen Stauraum, keinen Nachkauf. Sie nimmt sich den Sprit aus dem Tank, den du ohnehin fährst. Bei einem halbvollen Tank kannst du tagelang heizen, ohne an Nachschub zu denken, und genau das macht sie auf langen, kalten Reisen so beliebt.
Sie darf außerdem während der Fahrt laufen, ganz ohne Zusatztechnik. Du steigst also in einen schon warmen Wagen, während die Gasfraktion erst am Stellplatz einschaltet. Platz spart sie auch, weil das Gerät klein ist und keine Flasche daneben steht.
Ehrlich bleiben muss man bei drei Dingen. Erstens ist die Dieselheizung nicht lautlos. Die Dosierpumpe tickt leise im Takt, und im Warmlauf brummt das Gebläse hörbar. Zweitens riecht der Start nach Diesel, bis die Verbrennung sauber läuft, das gibt sich nach kurzer Zeit. Drittens braucht sie für Pumpe und Gebläse etwas mehr Bordstrom als die Gasheizung.
Und dann ist da der Punkt, an dem die meisten Besitzer irgendwann Lehrgeld zahlen.
Der Fehler, der die Dieselheizung ruiniert
Eine Dieselheizung will gefordert werden. Läuft sie dauernd auf kleinster Stufe, nur um ein bisschen gegen die Kälte anzuhalten, verbrennt der Diesel nicht vollständig. In der Brennkammer setzt sich Ruß ab, die Leistung lässt nach, im schlimmsten Fall verkokt der Brenner so weit, dass die Heizung streikt.
Der Gegenmittel ist simpel und kostet nichts. Lass sie regelmäßig für eine halbe Stunde auf voller Leistung laufen, einmal im Monat reicht meist. Die hohe Temperatur brennt den Ruß wieder weg. Wer das beherzigt, hat jahrelang Ruhe, wer es vergisst, holt sich die Heizung irgendwann zur Reinigung in die Werkstatt.
Dazu kommt die eigentliche Wartung. Nach einigen Jahren wollen Brennkammer und Wärmetauscher gereinigt oder getauscht werden, das ist beim Diesel etwas mehr Aufwand als beim über Jahre wartungsfreien Gasgerät. Es ist kein Drama, aber es gehört zur ehrlichen Rechnung dazu, am besten gleich einplanen, wenn der Wagen sowieso zur Durchsicht steht.
Ein letzter Blick gilt dem Tank. Die Heizung zieht denselben Sprit wie der Motor. Viele Einbauten entnehmen über ein Steigrohr, das einen Rest im Tank lässt, damit dir die Heizung nicht heimlich den Wagen leerzieht und du morgens nicht anspringst. Verlassen würde ich mich darauf nicht blind, im Winter den Füllstand lieber etwas großzügiger halten.
Marke oder Billigheizung?
Dieselheizungen gibt es im Netz für unter hundert Euro, und die Versuchung ist groß. Hier lohnt der Blick auf die ehrliche Bilanz. Die ganz billigen No-Name-Geräte machen genau die Probleme, die man fürchtet. Sie wollen beim ersten Start mühsam entlüftet werden, die Dosierpumpe ist lauter, die Verbrennung unsauberer, und Ersatzteile sind Glückssache. Was du beim Kauf sparst, zahlst du in Nerven und in Reinigungsarbeit wieder drauf.
Die etablierten Marken kosten mehr, laufen dafür leiser, sauberer und halten länger. Sie lassen sich warten, es gibt Teile und Fachbetriebe, die sie kennen. Für ein Gerät, von dem im Winter deine Nachtruhe abhängt, ist das gut angelegtes Geld. Deshalb findest du hier auch keinen Kauflink zu einer Heizung, der Einbau ist sicherheitsrelevant und gehört samt Beratung in Fachhände, nicht in eine schnelle Bestellung.
Sicherheit ist bei beiden Pflicht
So verschieden die Systeme sind, bei der Sicherheit treffen sie sich. Beide verbrennen, beide können bei einem Defekt oder bei verstopftem Abzug Kohlenmonoxid in den Innenraum lassen. Das Gas ist geruchlos und tückisch, weil es müde macht, bevor es gefährlich wird. Ein CO-Melder gehört deshalb in jeden Kastenwagen mit Heizung, egal ob Gas oder Diesel, und er kostet fast nichts.



